Jacob Rohrbach

Jacob Rohrbach hatt auffruhr gerathen, des muß er werden gebratten, bey Neckergartach an einr weyden must er des feurs flam leyden. Bis er sein leben endt, Sein leib zu pulver ward verbrendt. Quelle: Badische Landesbibilothek Karlsruhe

 

Im Folgenden werden in chronologischer Folge bemerkenswerte Eckdaten aus dem Leben des Bauernanführers Jäklein Rohrbach dargestellt:

Jacob, oder wie er in der Verkleinerungsform genannt wird: „Jäklein“ (Jäkle) Rohrbach entstammte einer Böckinger Bauernfamilie. Das Dorf Böckingen gehörte zum verwalteten Gebiet der Reichsstadt Heilbronn. Jacob Rohrbachs Vater, welcher ebenfalls Jacob hieß, bebaute als Hofmann (1) zwei Böckinger Höfe des Ritterstifts St. Peter zu Wimpfen im Tal. Zudem betrieb der Vater eine Wirtschaft. Nachweislich übernahm er 1499 zusammen mit vier anderen Böckingern von der Reichsstadt Heilbronn 72 Malter (2) der dreierlei Frucht (Roggen, Dinkel und Hafer), den Jahresertrag des heilbronnischen Sechstels am Böckinger Fruchtzehnt. Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass Jäklein Rohrbach unter besonders ärmlichen Verhältnissen aufwuchs.

Der junge Jacob Rorbach scheint kurz vor 1500 geboren zu sein und war von seiner Mutter her Leibeigener der Herren von Neipperg. Vermutlich genoss er im nahen Heilbronn Schulunterricht, denn er war ein gewandter Briefschreiber. Allerdings neigte er schon früh zu Gewalttaten, bezeichnete ihn sein eigener Vater doch als einen „böslichen Mann“.

Im Jahr 1516 ist ein Händel zwischen dem neippergischen Amtmann (3) und Jäklein Rohrbach in Böckingens Nachbardorf Klingenberg bekannt. Der Amtmann schilderte, dass Rohrbach, welchen er vom abgesperrten Weg hinter dem Klingenberger Schloss weggewiesen hatte, ihm unter Flüchen erwidert habe, dass er dem Amtmann einen Metzgergang tun lassen wolle. Anschließend habe er ihn wirklich mit der Waffe in der Hand unter Drohungen vom Weg abgedrängt. Rohrbach bestritt diese Darstellung des Amtmannes.

Der Heilbronner Rat, vor den die Sache kam, verurteilte Rohrbach daraufhin zur Zahlung von 2 Maltern Hafer, was in den Augen der Herren von Neipperg eine zu geringe Strafe war. Später bedrohte Rohrbach den Amtmann wiederholt und wurde daraufhin vom Rat in den Turm gelegt. Während des Streites mit dem neippergischen Amtmann hatte Rohrbach den württembergischen Vogt zu Lauffen angerufen, um ihn um Fürsprache zu bitten. Dazu gab er sich als württembergischer Leibeigener aus, obwohl er in Wahrheit ein neippergischer war.

Im Jahr 1519 geriet er mit der Gemeinde Dürrenzimmern im Zabergäu in Händel. Er hatte mit zwei dortigen Einwohnern einen Erbschaftsstreit vor dem Tübinger Hofgericht gehabt, dessen Urteil von den Streitenden verschieden ausgelegt wurde. Aufgrund der unterschiedlichen Auslegung wies der württembergische Amtmann zu Brackenheim die Sache zurück ans Hofgericht.

Rohrbach, der gewonnen zu haben vermeinte, fühlte sich dadurch in seinem Recht verletzt und antwortete mit einem Fehdebrief, der an die gesamte Gemeinde Dürrenzimmern gerichtet war. Im Verlauf der Auseinandersetzung ritt Rohrbach dem hiesigen Schultheißen, als dieser nach auswärts reiste, in verdächtiger Weise nach.

Der Heilbronner Rat legte Rohrbach wegen eben diesem Fehdebrief abermals ins Gefängnis, schickte dem Tübinger Hofgericht jedoch ein Führschreiben für seinen „Böckinger Hintersassen“ (4).

Im Jahre 1519 unternahm Herzog Ulrich von Württemberg (5) den Versuch, sein vom Schwäbischen Bund (6) eingenommenes Land zurückzuerobern. Die freie Reichsstadt Heilbronn stellte als Bundesmitglied 47 Fußgänger und 3 Reisige (7) gegen den württembergischen Herzog. Einer der drei Reisigen war Jäklein Rorbach. Die Heilbronner Söldner kämpften höchst-wahrscheinlich in dem Gefecht von Hedelfingen am 14. Oktober 1519, indem die Bündischen entscheidend gegen die Herzoglichen siegten.

Heilbronn hatte unter dem württembergischen Krieg schwer gelitten und legte seinen vier Schutzdörfern (Flein, Böckingen, Neckargartach und Frankenbach) eine zusätzliche Schatzung auf (etwa drei Gulden pro Hofstätte). Die meisten Böckinger zahlten willig, mit einigen wenigen jedoch gab es Streit darüber, ob die Schatzung auch von Leibeigenen zu zahlen sei, deren Herrschaften auswärtig lebten. So gab es beispielsweise auch Leibeigene des Wimpfener Stifts wie eben Jäklein Rohrbach. Jäklein weigerte sich zu zahlen, weil er angeblich nicht mehr im Böckinger Dorfrecht saß. Er geriet daraufhin abermals in Streit mit der Gemeinde und dem Böckinger Pfarrer.
Sein Aufenthalt ist während dieser Zeit nicht bekannt, doch vermutlich hatte sich Rohrbach in einen Dienst begeben, denn er nennt sich einen „redlichen Knecht“.

Um die Angelegenheit zu klären bat er Ende August 1522 den Heilbronner Bürgermeister Konrad Erer um freies Geleit durch Heilbronn, da er, wie er angab, vom Böckinger Schultheißen „verschwätzt” worden sei. Der Rat bewilligte ihm daraufhin achttägiges Geleit. Rohrbach und seine Schwester mussten innerhalb fünf Tage die Schatzung zahlen, bei Strafe der Verdoppelung. Zudem sollten sie der Gemeinde für ihre Umtriebe je vier Gulden entrichten. Rohrbachs spätere Genossin, Margareta Rennerin, die „schwarze Hoffmännin” genannt, war ebenfalls im Rückstand.

Spätestens 1524 finden wir Rohrbach wieder in Böckingen. Er hatte den kleineren Hof seines Vaters übernommen (Wimpfener Stift) und sich mit einer Böckingerin verheiratet. Der Hof umfasste 45 3/4 Morgen Acker und 4 1/2 Morgen Wiesen mit einem Haus nebst Garten und Zubehör. Abgaben (Gült) an seinen Lehnsherren (Vikar des Kiliansaltars i.d. Wimpfener Stiftskirche) beliefen sich jährlich auf: Fünf Malter Roggen und Dinkel; Sechs Malter Hafer, zwei Gänse und ein Huhn. Von dieser Gült blieb er seinem Lehnsherren im Jahr 1524 einiges schuldig. Er hatte jedoch nachweislich genügend Frucht und Vieh um die Gült zu begleichen, er wollte es nur offenbar nicht. Im Vergleich mit dem Hof eines Verwandten, dessen Hofstätte größer war, dem aber eine kleinere Gült abverlangt wurde, war dies für Rohrbach ungerecht verteilt, jedoch waren die Abgaben er zu leisten hatte im allgemeinen Vergleich durchaus nicht übertrieben. So mussten z.B. zwei Böckinger Höfe des Klosters Schöntal ungleich mehr Gült begleichen und Höfe des Heilbronner Klaraklosters dagegen sogar noch viel mehr.

Es ist nicht auszuschließen, dass Rohrbach im Glauben, vom Stift betrogen worden zu sein, und in der Verfolgung seines angeblichen Rechts zum Aufrührer geworden ist. Rohrbach, der zwar ein schlauer, aber auch ein eigensinniger und starrköpfiger Mensch gewesen ist, steigerte sich in den Gedanken, der Stift verlange von ihm zuviel Gült, derart hinein, dass er mit seinem Verwandten Enderlin Remy (aus Dürrenzimmern) davon sprach, die Pfaffen im Wimpfener Stift zu erwürgen und ihr Gut an sich zunehmen.

Der Wimpfener Vikar Ferber klagte Rohrbach wegen der versäumten Gült vor dem Böckinger Gericht an, wo sich dieser am 27. März 1525 verantworten sollte. Dies ist der Tag, an dem er seine Anführerrolle in der Bauernerhebung zu spielen anfing. Zu Beginn des Jahres 1525 hatte ein vom Allgäu ausgehender großer Bauernaufstand in Oberschwaben begonnen. Die gedruckten „Zwölf Artikel“ verbreiteten sich rasch und Rorbach gelangte früh in ihren Besitz (frühere auswärtige Beziehungen aus dem Söldnerdienst). Rorbach machte sich die Artikel zu Eigen und bezog sie auf seinen Händel mit dem Lehnsherren. So wuchs seine eigene Streitigkeit mit den allgemeinen Forderungen der aufständischen Bauern zusammen und es verbanden sich damit, doch nur ganz nebenbei, unklare religiöse Gedanken (Einwirkung der Reformation).

Rohrbach warb nun für die Gedanken der aufständischen Bauern. Er tat dies in Böckingen, Flein, Neckarsulm und Sontheim aber auch in der Stadt Heilbronn. Rohrbach entfaltete seine Werbetätigkeit in der Weinwirtschaft des Bäckers Wolf Leip. Dort traf er sich zuweilen mit seiner Frau Genovena, mit Enderlin von Dürrenzimmern, der nun in Heilbronn gewohnt zu haben scheint, dem Bürger Christ Scherer, dem Fleiner Wirt Jörg Martin und anderen aus Stadt und Land. Er redete dem Wirt und den anderen vor, sie wollten ein christliches Leben führen und einen Bauernhaufen machen. Da es ihm an der nötigen Mundfertigkeit angeblich nicht mangelte, gewann er zahlreiche Anhänger. Am Tag der Verhandlung, dem 27. März 1525 lud er seine Freunde aus Stadt und Land ein, nach Böckingen zukommen, um ihm bei seinem Rechtshändel beizustehen. Der Vikar Ferber hörte davon, bekam es mit der Angst und ging nicht hinaus (es sollen in etwa 20-30 Freunde Rohrbachs erschienen sein). Der Rat schickte daraufhin einige Reisige, doch Rohrbach konnte sich ihnen entziehen.

Er redete den Landbewohnern von der Herabsetzung des kleinen Zehnts vor (wurde auf Rüben, Erbsen, Linsen, Hanf, Flachs und Federvieh erhoben). Zu seinen Freunden aus der Stadt sprach er mehr von der Abstellung städtischer Beschwerden. Rohrbach vertrat im Allgemeinen jedoch eher gemäßigte Forderungen:

1.) Zinsen und Gülten werden dort abgeschafft, wo sie zu hoch bemessen sind, die Kapitalien müssen jedoch zurückbezahlt werden.

2.) Die Wiesen des Deutschen Hauses in Heilbronn soll den Armen übergeben werden, seinen Zehnten und sonstiger Besitz soll unter der Bürgerschaft aufgeteilt werden.

3.) Deutschherren, Mönche, Nonnen und Präferenzherren sollten vertrieben werden, doch sollte jeder lebenslänglich eine Summe zu seinem Unterhalt erhalten.

4.) Ins Deutsche Haus sollten Zunfthäuser hineinkommen, denn insbesondere die Weingärtner wünschten die Wiederherstellung der 1371 aufgehobenen Zünfte.

5.) Es sollte eine „brüderliche Treue anfangen“ und wer mehr habe als der andere, sollte diesem raten und helfen.

Am 2. April (Sonntag Judika) 1525 verabredete sich Jäklein Rohrbach mit den Bauern zu einer großen Bauernversammlung in Flein. Er reiste zunächst nach Löwenstein um auch im Weinsberger Tal für seine Sache zu werben. Rohrbach erschien am 30. März 1525 vor dem Heilbronner Rat, doch die Gerichtsverhandlung wurde abermals verschoben, offenbar fürchtete man sich vor Rohrbachs Anhängern. Dem Wimpfener Stiftsdechant, der sich für einen gütlichen Ausgang des Streits aussprach, lies er ausrichten, dass er ihn am Arsch lecken könne und fügte bei, sie sollten sich die Weile nicht lange werden lassen, er wolle sie bald besuchen und dann solle ihm sein Vertrag schmecken, als der, den das Stift mit den Bauern mache.

Am 1. April erschien er in Brackenheim um zu werben und am 2. April in Großbottwar und Beilstein. Am Nachmittag des 2. April 1525 fand die Werbeversammlung der bäuerlichen Sache in Flein statt. Es erschienen hauptsächlich Bauern aus heilbronnischen und deutschherrlichen Dörfern, aber auch württembergische Bauern aus dem Weinsberger Tal. Der Heilbronner Rat hatte die Bewirtung der Bauern verbieten lassen, doch Rohrbach und die Seinen nahmen denen, die nichts abgeben wollten, den Wein mit Gewalt weg.

Die Bauern zechten und bildeten vor dem Dorf einen Ring. Dort schwor man auf die „Zwölf Artikel“ und bestimmte einen Hauptmann für einen Bauernhaufen, den „Neckartaler Haufen“.
Rohrbach wurde zum Anführer erwählt, da er die Sache „angeschanzt“ hatte. Außerdem hatte er bereits den württembergischen Krieg mitgemacht, weshalb er „halb reiterisch halb bäuerlich gestattet war“, dies steigerte zweifellos sein Ansehen. Die Bauern zogen die Hüte vor ihm ab und neigten sich vor ihm „als ob er ein Edelmann wäre“.

Noch in der gleichen Nacht zog ein Teil des Haufens nach Sontheim, das zum Anschluss genötigt wurde und am anderen Morgen ging es über den Neckar nach Böckingen; wer nicht freiwillig mitzog, wurde von Rohrbach und den Seinen gezwungen. Den „gemeinen Gesellen“ in Neckarsulm drohte er, sie umbringen zu wollen, wenn sie dem Haufen nicht beitraten.

Der Zug ging weiter nach Großgartach. Von dort aus wollte man dem Wimpfener Stift einen „Besuch“ erstatten, doch der Haufen zog am 4. April über Nordheim zurück nach Sontheim. Am 4. April wurden die oberschwäbischen Bauern bei Leipheim vom Schwäbischen Bundesheer geschlagen. Der Grund für diesen Rückmarsch war folgender: Der Öhringer Bürger Konrad hatte Rohrbach eine Botschaft zukommen lassen, worin er eine Vereinigung des „Odenwälder Bauernhaufens“ aus Hohenlohe und dem benachbarten Mainzer Gebiet mit dem „Neckartaler Haufen“ vorschlug.

Noch am gleichen Tag forderte der Heilbronner Rat seine Bürger und Untertanen ab, mit der Zusage, dass sie dann straflos sein sollten. Einige Neckargartacher Bauern sollen dieser Mahnung gefolgt sein, trotz der Flüche Enderlins von Dürrenzimmern. Ferner richtete der Heilbronner Rat ein Schreiben an Jacob Rohrbach, indem er ihn mahnte, zugehörige des Rates unbeschädigt zu lassen. Dieser antwortete daraufhin in höflicher Form: Er und sein Haufen seien nicht des Sinnes, die angehörigen Heilbronns zu sich zu zwingen oder zu bringen, sondern sie nehmen nur die, die sich aus freiem Willen zu ihnen verpflichten, als christliche Brüder an; auch sei er nicht des Sinnes, dem Rat Schaden zuzufügen. Er unterzeichnete als des Rats „untertänigster Diener“. Dies steht ihm schroffen Widerspruch zu seiner äußerst gewaltsamen Art und Weise, wie er die Bauern zu einigen versuchte. Offenbar wünschte Rohrbach einen offenen Konflikt mit Heilbronn zu vermeiden, vermutlich weil er glaubte, dass Heilbronn ihm von selbst zufallen würde, denn am 3. April gab es auf dem Heilbronner Marktplatz einen regen Auflauf bauernfreundlicher Bürger (hier vor allem Weingärtner) gegen den Rat.

Von Sontheim, wo die Bauern die Keller der Deutschordens-kommentur leerten, zog Rohrbach am 5. April mit seinem angeblich 800 Mann starken Haufen im Bogen um Heilbronn, dessen Bürger bereits gegen einen etwaigen Angriff in Rüstung standen, über Erlenbach ins Hohenlohische. Angefeuert wurde der Bauernhaufen durch die „Schwarze Hofmännin“, einem fanatischen Weib, welche versprach, die Bauern hieb- und schussfest zu machen.

Die hohenlohische Stadt Öhringen öffnete den Bauern die Tore und am 11. April zwangen die nun vereinigten Odenwälder und Neckartaler Haufen die Grafen von Hohenlohe, sich zur Sache der Bauern zu bekennen und die „Zwölf Artikel“ anzuerkennen. Am Tag darauf plünderten sie das Zisterzienser-Nonnenkloster Lichtenstern bei Löwenstein und am 14. April (Karfreitag) standen sie schließlich vor den Toren der freien Reichstadt Heilbronn, wo bereits zum nahenden Sturm geläutet wurde. Rorbach trat vor das Sülmertor mit einem Hut auf seinem Spieß zum Zeichen, dass er verhandeln wolle. Als daraufhin der Bürgermeister mit einigen Ratsherren und Söldnern hinausritt, erklärte Rohrbach, die Bauern seien gute Nachbarn und wollten nur vorbeiziehen. Der Rat erneuerte sein bereits erlassenes Schießverbot gegen die Bauern und der Haufen zog weiter nach dem Deutschordensstädtchen Neckarsulm. Dort wurden Rohrbach abermals freiwillig die Tore geöffnet.

Neckarsulm um 1578

Am Ostersonntag zogen die Bauern in der Frühe das Sulmtal hinauf nach Weinsberg. Rohrbach war über die schwache Besetzung der Weinsberger Burg Weibertreu unterrichtet worden. Zuerst wurde die Weibertreu durch ein Fähnlein freier Knechte erstürmt und danach wurde durch den Haupthaufen das Städtchen erobert. Der württembergische Obervogt Ludwig von Helfenstein zog sich mit seinen Rittern und deren Knechten auf den Kirchhof zurück, wo sie, nachdem einige von ihnen gefallen waren, gefangen genommen wurden.

Die Gefangenen wurden Jakob Rorbach übergeben. Enderlin von Dürrenzimmern war dagegen gewesen, die Ritter gefangen zu nehmen und hatte geschrien „stecht sie tot“ und auch Rorbach hatte ihnen nach der Gefangennahme zugerufen „ihr Bösewicht müsst sterben“.

Rorbach und die Seinen hielten Kriegsgericht in einer Mühle und beschlossen, die Ritter durch die Spieße zu jagen – kaum der zehnte Teil des Haufens soll davon gewusst haben. Das Urteil wurde daraufhin vollstreckt. Vor dem Städtchen wurde der Graf, dreizehn Adlige und deren Knechte durch die Spieße gejagt.

Rohrbach gab dem Grafen, dessen Damastschaube er angezogen hatte, den ersten Hieb in den Nacken und zeigte sich in seiner ganzen Rohheit, indem er des Grafen Gattin, die vergeblich um sein Leben gebeten hatte, fragte, wie er ihr in der Schaube gefalle. Enderlin von Dürenzimmern hatte sich des Grafen Federbusch angenommen und ein Fleiner seine rot und gelben Strümpfe angezogen. Mit dem aus seinem Leichnam fließenden „Schmer“ schmierte sich die “Schwarze Hofmännin” die Schuhe, während Rorbach und Enderlin mit dem Fett des in der Kirche getöteten Bottwarer Obervogts Dietrich von Weiler ihre Schwertscheiden geschmiert hatten.

Diese „mörderische Tat“ ist einzigartig in der bäuerlichen Bewegung. Unter den Bauern herrschte wohl Erbitterung gegen den Grafen von Helfenstein, der am Tag zuvor einige vom bäuerlichen Nachtrab erstochen und die Bauern des Weinsberger Tals unter Androhung, ihre Häuser abzubrennen, vom Haufen zurückgerufen hatte. Aber wahrscheinlich war es noch etwas anderes, dass Rohrbach und die Seinen zu ihrer grausamen Tat veranlasste.

Weinsberg und Burg Weibertreu um 1578

Im Odenwälder Bauernhaufen waren Bestrebungen im Gange, den Adel auf die Seite der Bauern zu ziehen. Schon in Schöntal war mit Götz von Berlichingen verhandelt worden und in Neckarsulm hatte der zu den Bauern übergegangene Wendel Hipler, einstmals gräflich hohenlohischer Beamter, zu einer Vereinigung mit dem Adel geraten, der ja gleichermaßen wie die Bauern durch die Fürsten unterdrückt werde. Jörg Metzler von Battenberg und Hans Reuter von Bieringen, die angesehensten Anführer des Odenwälder Bauernhaufens, standen den Bestrebungen Hiplers nicht abgeneigt gegenüber.

Eine Heranziehung des Adels musste allerdings die bäuerliche Bewegung notwendigerweise in gemäßigte Bahnen lenken und das war nicht nach dem Sinn Rohrbachs, dem die staatsmännischen Gedanken Hiplers jedenfalls zu hoch waren. Vermutlich wollte Rohrbach mit der Bluttat eine Verbindung zwischen den Bauern und dem Adel unmöglich machen. Eine gewisse Verbindung zwischen den Bauern und dem Adel ist später mit Götz von Berlichingen als Hauptmann dennoch zustande gekommen, doch damals hatte sich Rohrbach bereits von den Odenwäldern getrennt.

Am Tag nach der Eroberung Weinsbergs kamen Rohrbach und Enderlin unbehelligt nach Heilbronn und gingen aufs Rathaus zum Wein. Rohrbach in der Schaube des Grafen und Enderlin mit dessen Federnbusch. Der Heilbronner Rat, den die Bauern bereits zur Übergabe der ihnen großenteils günstig gesinnten Stadt aufgefordert hatten, war voll Angst. Bürgermeister Digel beauftragte einen Heilbronner Bürger, mit den beiden zur Nacht zu essen und sie fröhlich zu machen.

Am folgenden Tag zogen die Bauern von Weinsberg aus nach Heilbronn zu. Da im Falle eines Angriffs auf einen großen Teil der Bürger kein Verlass war, wurden vier Bauernführer im tiefsten Geheimnis zu einer Unterhandlung in die Stadt gelassen. Der Rat traf ein Abkommen, dass Heilbronn in den Bund der Bauern eintreten und eine gewisse Anzahl von ihnen in die Stadt einlassen musste, zur Bestrafung der Geistlichen, namentlich der reichen Deutschherren. Rohrbach nahm an diesen Verhandlungen nicht mehr teil, er hatte sich bereits am 20. April vom Odenwald-Neckartaler Haufen getrennt und zog mit Enderlin von Dürrenzimmern und 200 Mann dem unter Matern Feuerbacher von Großbottwar neu gebildeten Bottwartaler Haufen zu, mit dem er sich am 20. April in Lauffen vereinigte.

Als Ursache für Rohrbachs Abzug wird Misstrauen der Deutschordensbauern gegen ihn angegeben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass seine eigenmächtige Bluttat von Weinsberg von der Mehrheit der Bauern missbilligt wurde und dadurch seine Stellung als Anführer schwierig wurde.

Von Lauffen zog der neu gebildete Haufen über Kirchheim am Neckar nach Bietigheim und vereinigte sich dort am 22. April mit dem Zabergäuer Haufen Hans Wunderers von Pfaffenhofen. Dann ging es über Horrheim nach Vaihingen an der Enz. Dort wurden am 24. April die Ämter neu besetzt: Feuerbacher wurde erster und Wunderer zweiter Oberst. Rohrbach hatte keine leitende Stellung im Haufen.

Am 29. April finden wir Jäklein Rohrbach in Maulbronn, wohin schon der Profoß Hans Metzger zum Proviantholen gegangen war. Rohrbach wandte sich „samt anderen Obersten zu Maulbronn“ mit der Bitte an das brüderlich bündische Heilbronn, dass der zwischen Heilbronn und Böckingen strittige Wasen (8) bis auf weiteres von beiden Gemeinden gemeinschaftlich genützt werden solle. Rohrbach war nämlich von seinen Landsleuten aus Böckingen gebeten worden, „einen Passport” über die Benutzung des Wasens auszustellen, welcher ihnen angeblich früher unrechtmäßig von Heilbronn entzogen wurde. Der Heilbronner Rat wandte sich daraufhin an die Odenwald-Neckartaler Bauern, mit der Bitte, sie möchten Rohrbach die Ausstellung solcher Passporte verbieten, die dem Gebot des hellen lichten Haufens (Götz von Berlichingen) zuwiderliefen. Daraufhin erließen Götz von Berlichingen und Jörg Metzler als oberste Feldhauptmänner ein scharfes Ausschreiben an Rohrbach: Wenn er wiederholt einen solchen Passport ausschreibe, werde der helle lichte Haufen gegen ihn einschreiten.

Aus dem Ton dieses Schreibens ist zu ersehen, wie die Stimmung der leitenden Persönlichkeiten im Odenwälder-Neckartaler Haufen gegen Rohrbach gewesen ist. Am 1. Mai schrieb Rohrbach mit anderen Obersten an Wunderer: Sie hätten große Unordnung unter den Bauern in Maulbronn angetroffen, welche „das Gebäu Maulbronn“ (gemeint ist das Kloster) abbrechen oder verbrennen wollten; es wäre aber Schade darum, deshalb möge Wunderer einen „heftigen Brief“ an die Bauern herabschicken. So ist also ausgerechnet Rohrbach, dem Wildesten unter den Bauernführern, der Erhalt des Klosters zu danken.

Am 6. Mai befand sich Rohrbach dann kurz vor Stuttgart. Er beantwortete damals ein Schreiben der Hauptleute Feuerbacher und Wunderer, die von Kirchheim unter Teck kommend, nun in Degerloch angekommen waren. Sie erhoben in ihrem Schreiben Zweifel, ob Rohrbach wie versprochen zu ihnen stoßen werde. Dieser erklärte, dass er nicht früher habe kommen können und in der folgenden Nacht mit 1400 Mann in Stuttgart liegen werde, um sich am anderen Tag mit seinen christlichen Brüdern zu vereinigen. Die Vereinigung fand tatsächlich am 7. Mai in Sindelfingen statt, ob Rohrbach jedoch wirklich 1400 Mann zusammen hatte, lässt sich nicht feststellen.

Am 8. Mai erstürmten die Bauern Herrenberg, aber schon am 12. Mai erlitten sie durch das bündische Heer die vernichtende Niederlage bei Böblingen. Kurz zuvor hatte der bündische Feldherr Jörg Truchseß von Waldburg (auch Bauernjörg genannt) bei einer Friedensverhandlung von den Bauern die Auslieferung der „Weinsberger“ verlangt; d.h., die an der „Weinsberger Bluttat“ Beteiligten. Infolge der Uneinigkeit unter den Bauern, die zur Absetzung Feuerbachers führte, zogen am Abend vor der Schlacht drei bäuerliche Fähnlein ab. Ob Rohrbach unter diesen war, kann nicht festgestellt werden. Am Tag der Schlacht machte der Burgvogt zu Asperg, Bastian Emhard, einen Angriff auf eine bäuerliche Schar, welche bei Markgröningen lagerte.

Diese Bauern hatten offensichtlich nicht an der Schlacht teilgenommen, denn es wäre ihnen keinesfalls gelungen, ihren Tross aus der Schlacht zu retten. Unter den Gefangengenommenen befand sich auch Jäklein Rohrbach. Als das bündische Heer am 19. Mai nach Heilbronn zog, um die wieder zum Bund übergegangene Reichsstadt vor einem bei Weinsberg neugebildeten Bauernhaufen zu schützen, lieferte der Burgvogt Rohrbach und einen bäuerlichen Beutemeister an Jörg Truchseß von Waldburg aus.

Truchseß lies Rohrbach in Eisen schlagen und führte die Gefangenen mit sich. Am 21. Mai wurde Rohrbach dann als Haupträdelsführer bei Neckargartach im Weihdach mit einer Kette an einen Weidenbaum gebunden und, wie kurz zuvor Melchior Nonnenmacher aus Ilsfeld, langsam durch Feuer gebraten. Alt und Jung schauten dem grausigen Schauspiel zu. Rohrbachs Genossen und andere gefangene Bauern wurden geköpft und an die Bäume gehängt; ihre Leichen waren am Tag darauf noch unbeerdigt.

Resümee:

Rohrbach gehörte nicht zu den Gestalten des Bauernkrieges, die sich wie Hipler durch geistreiche Pläne hervorgetan hatten, noch zu denen, die wie Florian Geyer vom Schimmer der Romantik verklärt werden. Er verfolgte weder ein höheres Ziel, noch läßt sich so etwas wie ein idealer Zug an ihm entdecken. Nur der Kampf um seine Privatsache machte ihn zu einem Aufwiegler; „unser Verführer“ nannten ihn später die Böckinger, welche es schwer büßen mussten, ihm gefolgt zu sein. Mit der „Bluttat zu Weinsberg“ hatte er der bäuerlichen Sache erheblichen Schaden zugefügt. Berichte von Augenzeugen schildern jedoch, dass die Bluttat im Wissen zumindest im Einverständnis der weiteren Führung des Odenwälder-Neckartaler Haufens, wie beispielsweise dem Hauptmann Metzler, stattfand. Seine Hinterlassenschaft, also sein Grundbesitz und sein bei einem Heilbronner Bürger liegendes Beutegeld (71 Gulden in Gold, 1 Doppeldukaten, 1 Karneot, 1 silberner Becher) wurde der Witwe und dem Bruder des Grafen von Helfenstein zugewiesen. Von Rohrbachs Genossen Enderlin von Dürrenzimmern und Gabriel, Rohrbachs “Fähnrich”, hieß es im Jahr 1527, sie befänden sich in Straßburg.

(1) unter einem Hofmann versteht man einen Erbpächter

(2) altes Getreidemaß, regional schwankend zw. 128 und 670 1 auch: Lohn fürs Getreidemahlen

(3) Drost, Pfleger, Vogt, Bezirksverwaltungsbeamter der mittelalterl. Landesherrschaft

(4) <hist.> ein vom Grundbesitzer abhängiger Bauer

(5) Ulrich, Herzog von Württemberg ( 1498-1519 und 1534-50) * Reichenweiher (Elsass) 8.2.1487 + Tübingen 6.11.1550; bis zu seiner Volljährigkeit (1503) führte ein Regimentsrat die Reg. Im Landshuter Erbfolgekrieg konnte U. 1503-1505 beträchtl. Gebietsgewinne erzielen. Der Bauernaufstand des Armen Konrad vermochte er 1514 nur mithilfe der Stände, denen er dafür im Tübinger Vertrag Zugeständnisse machen musste, niederzuwerfen. Die von ihm veranlasste Ermordung des Ritters Hans von Hutten, den er des Ehebruchs mit der Herzogin bezichtigt hatte, zog im Oktober 1516 die Ächtung U. nach sich. Nach einem Überfall auf die Reichsstadt Reutlingen wurde Württemberg vom Schwäb. Bund besetzt und Ulrich vertrieben. 1526 fand er Aufnahme bei Landgraf Philipp 1., dem Großmütigen, von Hessen. hl Bund mit diesem konnte er 1534 sein Herzogtum zurückerobern, musste aber der Umwandlung des Landes in ein österr. Afterlehen zustimmen. 1534 führte er in Württemberg die Reformation ein und schloss sich 1536 dem Schmalkaldischen Bund an.

(6) Schwäbischer Bund, 1488 gegr. Vereinigung der schwäb. Reichsstände zur Sicherung des Landfriedens, der später auch die Kurfürsten von der Pfalz, Mainz und Trier, ferner Hessen, Bayern und die meisten oberdt. Stände beitraten. Der schwäb. Bund wurde besonders unter Kaiser Maximilian 1. zur Stütze der habsburg. Politik in Ober-Dtl. 1519 führte er den Feldzug gegen Herzog Ulrich von Württemberg. Im Bauernkrieg 1525 warf der Feldhauptmann des schwäb. Bundes, Georg Truchsess von Waldburg, die Bauern nieder; das Raubrittertum wurde bekämpft. Infolge der Reformation lockerte sich der schwäb. Bund und löste sich 1533 auf.

(7) [zum hd. Reise „(Heer)fahrt“] im Mittelalter die schwer bewaffneten, in der Regel berittenen Krieger.

(8) Wasen: feste Erdstücke mit Grasbewuchs

Quellen:

1. Erich Weissmann, Weinsberger Blut-Ostern 1525: Eine Rekonstruktion der Vorgänge nach zeitgenössischen Augenzeugenberichten, Stadt Weinsberg, 1992.

2. Moriz von Rauch, Der Bauernführer Jäklein Rorbach von Böckingen, Württembergische Vierteljahreshefte für Geschichte XXXII, Jahrgang 1925/1926.


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